a3 DAS BAUMAGAZIN 7-8/2014 - page 38

Die Verwendung von Dachplatten und Dach-
ziegeln aus Ton ist schon einige tausend
Jahre alt und ihre Herstellung hat sich zwar
verfeinert, aber nicht grundlegend verän-
dert – automatisiert statt handgeschlagen
halt. Und doch
werden dank neuer Pla-
nungs- und Fertigungsmethoden heute
völlig neue Anwendungen entwickelt
und
neue Formen, die das Dach dreidimensional
machen, leicht und schwebend.
„An der Graduate School of Design (GDS)
in Harvard in Cambridge in den USA bin ich
auf das Thema Keramik-Leichtbau gesto-
ßen“, berichtet Andreas Trummer im Ge-
spräch mit a3. Der Assistenzprofessor am
Institut für Tragwerksentwurf der TU Graz
war im Vorjahr zu einem siebenmonatigen
Forschungsaufenthalt an der GDS, einer der
weltweit berühmtesten Architekturschulen,
unterstützt vom Internationalisierungspro-
gramm der TU Graz, und traf dort auf Pro-
fessor Martin Bechthold. Dieser und ein
weiterer Professor amMIT (Massachusetts
Institute of Technology), das ebenfalls in
Cambridge zu Hause ist, beschäftigten sich
intensiv mit dem keramischen Leichtbau.
Die Neugier des steirischen Forschers war
geweckt.
Im Zusammenhang mit „Robotics in Archi-
tecture“ – Daten gehen vom Entwurf direkt
in die Maschine – eröffneten sich völlig
neue Gestaltungsmöglichkeiten, woraus
das gemeinsame Projekt „C-Shell“ ent-
stand, in dessen Rahmen „selbsttragende
Schalentragwerke in Keramik-/Beton-Ver-
bundbauweise“ als gemeinsame Arbeit der
beiden Institute in Graz (Leitung Univ.-Prof.
Stefan Peters) und Cambridge entwickelt
werden. Gefördert wird das Projekt vom
Verband der spanischen Keramikindustrie
ASCER, der nicht nur Prototypen fertigen
hat lassen, sondern auch drei Architektur-
schulen in Deutschland, Großbritannien
und den USA unterstützt.
Dieses erste Mock-Up war, folgerichtig und
auch der großen spanischen Keramik-Tradi-
tion geschuldet, im heurigen Februar auf
der Internationalen Keramikmesse Cevisa-
ma in Valencia zu sehen und im Mai auf der
greenEXPO in Wien, wo die TU Graz durch
die Architekturfakultät vertreten war. Die
Weiterentwicklung dieses ersten Prototty-
pen wird in den nächsten Monaten an der
TU Graz erfolgen, wozu Professor Martin
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PRODUKTNEWS | 7-8/2014
Der schon in der Antike verwendete Dachziegel und die Dachplatte aus Ton bekom-
men durch Robotic in Architecture gleichsam Flügel. Ein gemeinsames Projekt der
Graduate School of Design in Harvard und des Instituts für Tragwerksentwurf der
TU Graz ermöglicht dreidimensional geformte Dächer, die zu schweben scheinen.
Text: Hannes Ch. Steinmann
Innovation am Dach
Schwebende Keramik
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