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| 10/2017 |

ANALYSE

| FINANZIERUNGEN

Start-up-Investoren-Talk

„Wir sind als

Co-Investoren

sehr froh“

Mit dem Unternehmer-Paar Nessler setzt a3 ECO die Interview-Reihe mit Start-up-Investoren fort. Das Gespräch

mit Brigitte Nessler führte Karin Kreutzer, Kommunikationsberaterin und Inhaberin von AUBMES Invest. Sie stellt

Kapital als Co-Investorin bereit – für neue Geschäftsideen und für Start-ups in der Pre-Seed- und Seed-Phase.

?

Wir stehen hier bei strahlendem Son-

nenschein, umringt von den Alpen, etwas

abseits von den mehr als 100 Investoren

und Start-ups beim Business Angel Sum-

mit in Kitzbühel. Brigitte, wie würdest du

deine Aktivität als Business Angelina in

einem Satz beschreiben?

Brigitte Nessler:

Es ist hetzig.

?

Eine interessante Beschreibung. Eine

Hetz. Mhm – verbinde ich persönlich eher

mit einem Fest oder einen Ausflug.

Nessler:

Es ist ja für mich auch oft ein

Ausflug. Heute sind wir zwar in meinem

Heimat-Bundesland Tirol, aber ich bin als

Start-up-Investorin viel unterwegs. Auch

häufig in Wien. Wir haben seit einem Jahr

sogar eine Wohnung dort. Und ja, ich freue

mich immer auf die Start-up-Veranstal-

tungen, auf die Pitches, auf den Austausch

mit anderen Investoren und Investorin-

nen. Das ist alles interessant, unterhalt-

sam – hetzig eben.

?

Ihr habt 2013 euer Unternehmen an ei-

nen amerikanischen Konzern verkauft.

War für dich und deinen Mann danach

gleich klar, in Start-ups zu investieren

und als Business Angels aktiv zu werden?

Oder gab es Alternativüberlegungen?

Nessler:

Wir sind von dem „Start-up“-Vi-

rus 2014 durch einen Vortrag von Hansi

Hansmann infiziert worden. Zuerst dach-

ten wir allerdings daran, nur als einzige

Investoren bei Neugründungen einzustei-

gen. Wir wollten uns sehr operativ in den

Aufbau des Unternehmens einzubringen.

Norbert ist ja nach wie vor ein begeister-

ter Naturwissenschaftler und mir hat die

kaufmännische Führung unserer Firma

immer großen Spaß gemacht. Das wäre

aus heutiger Sicht aber definitiv ein Fehler

gewesen. Wir sind jetzt als Co-Investoren

sehr froh.

?

In wie viele Start-ups habt ihr bisher in-

vestiert?

Nessler:

Aktuell in drei. Wir sind aber mit

weiteren im Gespräch.

?

Und bis auf den „Ausreißer“ Unispotter –

ein edutech-Start-up – habt ihr den Bran-

chenfokus auf Medizintechnik.

Nessler:

Ja, genau. Denn von dort kom-

men wir. Dort kennen wir uns aus. Da kön-

nen wir die Aktivitäten und die Geschäfts-

modelle beurteilen. Und wir können uns

für die Gründer sinnvoll einbringen. Uni-

spotter bringt mittels einer App Schüler

und Schülerinnen mit der für sie passen-

den Universität zusammen. Dass wir dort

eingestiegen sind, ist auf die Begeisterung

unserer Enkelkinder zurückzuführen.

?

Stichwort Kinder: Wie haben die auf

Eure Start-up-Aktivitäten reagiert? Es ist

ja schon ein hochriskantes Business. Und

ihr seid in einem Alter, in dem der durch-

schnittliche Österreicher schon einige

Jahre in Pension ist. Gab es da nicht fami-

liären Widerstand – eventuell sogar Angst

ums Erbe?

Nessler:

Über das Geld, das mein Mann

und ich in all den Jahren verdient haben,

haben alleine wir das Verfügungsrecht.

Wir haben nichts ererbt. Haben alles er-

arbeitet. Unseren beiden Söhnen eine

erstklassige Ausbildung ermöglicht und

damit die Basis für ihren eigenen wirt-

schaftlichen Erfolg gelegt. Das wissen sie

und würden uns in unsere Investitionsak-

tivitäten nie dreinreden. Wir würden uns

aber auch nicht dreinreden lassen. Außer-

dem investieren wir ja nicht unser gesam-

tes Vermögen in Start-ups. Das würde ich

auch niemanden empfehlen. Start-up-In-

vestitionen sind ja noch spekulativer als

an der Börse mit Wertpapieren zu han-

deln, was ich übrigens seit 40 Jahren auch

mit großem Vergnügen mache. Aber zu-

rück zu meinen Kindern: Ich glaube, dass

sie ganz froh sind, dass wir so beschäftigt

sind und sie in Ruhe lassen, uns nicht aus

Langeweile in ihr Leben einmischen.

?

Es gibt Business Angels, die meinen, die

Start-up-Szene hält sie jung. Schließt du

dich dieser Behauptung an.

Nessler:

Nein. Meine Verschleißerschei-

nungen verlangsamen sich nicht und auch

meine Knie tun mir nicht weniger weh.

Aber neue Ideen kennenzulernen und

Jungunternehmer und -unternehmerin-

nen zu unterstützen macht mir einfach

TIPP

Drei Gründe auch mit 65+ in Start-ups

zu investieren.

Von Brigitte Nessler.

Man kann der Gesellschaft etwas

zurückgeben.

Man kann außer Geld auch noch Er-

fahrung und Kompetenz einbringen.

Man erfährt Wertschätzung und es

macht Spaß.