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| 10/2017 |

ANALYSE

| FAKTEN

VERMÖGENSREPORT

Österreich mit niedrigster

Rendite im Euroraum

„Beim Schuldenmachen waren Herr und Frau Österreicher ver-

gangenes Jahr vorne dabei, beim Vermögensaufbau eher Ab-

stiegskandidat. Während Anleger weltweit bei der Vermögens-

bildung überwiegend von Zuwächsen an den Kapitalmärkten

profitieren, gehen die meisten Österreicher einen anderen Weg

– und lassen ihr hart verdientes Geld auf der Bank brachlie-

gen“, kommentiert Martin Bruckner, Chief Investment Officer der

Allianz-Gruppe in Österreich, die Ergebnisse des aktuellen Alli-

anz Global Wealth Reports.

In der Studie werden die Vermögens- und

Schuldenlage der privaten Haushalte in

über 50 Ländern analysiert. Im vergan-

genen Jahr wuchs das weltweite Brutto-

Geldvermögen um 7,1 Prozent auf knapp

170 Billionen Euro. Zu verdanken ist diese

gute Entwicklung in erster Linie der Jah-

resendrallye an den Aktienmärkten, vor al-

lem in den Industrieländern. Knapp 70 Pro-

zent des Vermögenszuwachses ging 2016

auf das Konto von Wertveränderungen im

Bestand, nur gut 30 Prozent entfielen auf

Mittelzuflüsse. Die Zusammensetzung der

frischen Spargelder offenbart dabei eine

Überraschung: Die Privatanleger trugen

zwei Drittel ihrer Ersparnisse zu den Ban-

ken – ein neuer Rekordwert. „Das Spar-

verhalten der Privatanleger ist weiterhin von großer Risikoscheu

geprägt“, erklärt Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. „Neue

Gelder fließen hauptsächlich in Bankeinlagen, wo sie an realem

Wert verlieren: Allein im letzten Jahr dürften die Sparer in den In-

dustrieländern

durch die Geldentwertung Einbußen in Höhe von

rund 300 Milliarden Euro erlitten haben; 2017 dürfte sich dieser

Wert mit der Rückkehr der Inflation verdoppeln

“, so Heise.

In der Rangliste der 20 reichsten Länder verharrte Österreich wie

in den Vorjahren auf Platz 17, einen Platz vor Deutschland: In Ös-

terreich wuchs das Netto-Geldvermögen (Brutto-Geldvermögen

abzüglich Verbindlichkeiten)

um 2,0 Prozent auf 51.980 Euro pro

Kopf

. An der Spitze kam es 2016 erstmals zu einem Wechsel: Die

USA verdrängten mit einem Wert von 177.210 Euro die Schweiz

(175.720 Euro) von Platz 1, auf Platz 3 rangiert, mit einigem Ab-

stand, Japan (96.890 Euro). Ansonsten bietet sich jedoch auch im

letzten Jahr das gewohnte Bild: Skandinavische und asiatische

Länder dominieren die Top 10 – mit den Niederlanden (87.980

Euro) ist nur noch ein Staat aus der Eurozone vertreten.

Wirft man einen Blick auf die vergangenen fünf Jahre, so wuchs

das Geldvermögen pro Kopf im Euroraum rund 40 Prozent schnel-

ler als in Österreich. Es sei kein Zufall, dass Finnland und die

Niederlande bei der Vermögensrendite am besten abschneiden:

Finnland weist die höchste Vermögensrendite auf (8 Prozent pro

Jahr), knapp vor den Niederlanden (7,6 Prozent). Als Grund wird

bei den Finnen eine hohe Wertpapierquote im Portfolio genannt

und die niederländischen Haushalte sind mit Abstand am stärks-

ten in Pensionsfonds engagiert. Der Anteil der Bankeinlagen ist

Chief Investment

Officer Martin Bruckner,

Allianz-Gruppe Öster-

reich: „Aktienmärkte

beflügeln Wachstum,

aber die Sparer

bringen ihr Geld

lieber zur Bank“

laut dem Allianz-Report in Österreich, Deutschland und Portugal

am höchsten – die Konsequenz: Nirgendwo sonst im Euroraum

war die durchschnittliche Rendite des Geldvermögens niedriger

als in Österreich (2,6 Prozent). „Es wird Zeit, dass Österreich

‚umspart‘“, erklärt Bruckner.

ZAHLUNGSVERHALTEN

Positivtrend

Aktuelle Umfrageergebnisse des KSV1870

bestätigen die günstige Prognose der Wirt-

schaftsforscher: 63 Prozent von rund 2.000

befragten Unternehmen schätzen ihre der-

zeitige Geschäftslage positiv ein und 48

Prozent verzeichnen steigende Umsätze.

Auch die

allgemeine Zahlungsmoral

run-

det das Bild ab: 65 Prozent der Umfrage-

teilnehmer stellen eine unverändert gute

Disziplin im Zahlungsverhalten ihrer Fir-

menkunden fest, 14 Prozent sprechen von

einer Verbesserung (plus 3 Prozent).

Bei der Einschätzung der Gründe für den Zahlungsverzug von

Kunden denkt nur mehr ein knappes Drittel, dass Rechnungen

vorsätzlich nicht bezahlt werden. Im Vergleich zum Vorjahr sind

das zehn Prozent weniger. „In diesem Bereich zeigt sich aller-

dings, dass Größe auch Macht verleiht", sagt Walter Koch, Ge-

schäftsführer des KSV1870-Forderungsmanagements. Denn 39

Prozent der Gläubiger stellten bei der Studie fest, dass große

Kunden tendenziell länger für die Bezahlung brauchen als kleine.

Koch betont aber, dass hier auch die Verwaltung der Schuldner

eine Rolle spielen könne. „Verzögerungen durch veraltete Admi-

nistration schaden nicht nur den Gläubigern, die länger auf ihr

Geld warten müssen. Verspätete Zahlungen haben auch Auswir-

kungen auf das eigene Rating."

„Die österreichische Zahlungsmoral ist vorbildlich: Zusammen-

fassend kann man sagen, dass aktuell 78 Prozent der Firmen-

kunden ihre Verbindlichkeiten innerhalb des vereinbarten Zah-

lungsziels begleichen", sagt Ricardo-José Vybiral, Vorstand des

KSV1870. Im internationalen Vergleich liegt Österreich in der

Studie mit einer durchschnittlichen Zahlungsdauer von 29 Tagen

bei Firmenkunden auf Platz zwei gleich direkt hinter Deutschland

(25 Tage) und vor Schweden (30 Tage).

Steigende Umsätze

Ganz besonders scheinen Unternehmen mit Mitarbeitern von 301

bis 500 Mitarbeitern von dem Positivtrend zu profitieren: 67 Pro-

zent von ihnen berichten von steigender Umsatzentwicklung, das

sind

35 Prozent mehr

als im Vorjahr. Hatten im Vorjahr noch 13

Prozent aus dieser Gruppe sogar rückläufige Umsätze angege-

ben, so ist dieser Prozentsatz aktuell auf null gesunken.

Bei jeder Unternehmensgröße steigt mit dem Umsatz auch die Zu-

friedenheit. „Es zeigt sich, dass auch 79 Prozent der Großunter-

nehmen ihre Geschäftslage als gut oder sogar sehr gut einstufen.

Besonders erfreulich an diesem Ergebnis ist für ein klassisches

KMU-Land wie Österreich, dass der Mittelstand den Aufschwung

bestätigt. Dieser Umstand trägt zu einem großen Teil zum positi-

ven Klima bei“, erklärt KSV1870-Vorstand Ricardo-José Vybiral.

KSV1870-Vorstand

Ricardo-José Vybiral:

„78 Prozent der Fir-

menkunden begleichen

ihre Verbindlichkeiten

innerhalb des vereinbar-

ten Zahlungsziels“

© Allianz