Mag. Franz Artner, Chefredakteur
Editorial, Ausgabe 1-2/2017

Ein gutes neues Jahr 

„Österreichs Haushalte werden 2017 richtig smart.“ Diese Ansicht vertritt zumindest der Elektrohändler Saturn. Dort sieht man eine rasante Entwicklung für Heimautomation und vernetztes Wohnen. Und man ist überzeugt, dass die smarten Produktgruppen heuer noch viel von sich hören lassen. Ein bisschen was hat man ja schon gehört, zwar nicht von Haushalten, aber vom Seehotel Jägerwirt auf der Turracher Höhe. Wie Medien berichteten, wurde das Hotel inzwischen bereits vier Mal von Hackern gebucht und erpresst.

Beim dritten Angriff wurde unter anderem das gesamte Schlüsselsystem lahmgelegt. Gäste kamen nicht mehr in die Hotelzimmer, neue Schlüssel konnten nicht mehr programmiert werden. Der Betrieb will künftig wieder mit normalen Schlüsseln arbeiten. Was gut ist für die Hersteller mechanischer Schließsysteme, zeigt zugleich, was der Einsatz komfortabler IT-Komponenten und deren Vernetzung so mit sich bringen kann. Dokumente und Reservierungen gingen verloren. Hochgefahren wurde das Kassen- und Reservierungssystem von den Erpressern gegen die Bezahlung von „Bitcoins“ – in Höhe von 1.500 Euro. Eigentlich billig, vermutlich hätte eine IT-Fachfirma mehr dafür verrechnet, Schwachstellen im System aufzuspüren. Das deutet darauf hin, dass auf der Turrach eher Amateure am Werk waren. Richtig tolle IT-Macher hätten andere Preise und würden andere Objekte auswählen. Das steht uns noch bevor, denn je smarter die Bedienung in Gebäuden wird, desto offener sind die Türen, auch wenn gerade keiner im Büro ist.

Mit Schwachstellen ist auch Konstantinos Kessoudis vertraut. Er leitet die BIM.5D-Abteilung im Strabag-Konzern und arbeitet mit rund 50 Mitarbeitern daran, das Bauen im Mausklick-Modus voranzutreiben. Um das Building Information Modeling (BIM) in die Fläche zu bringen, soll in den kommenden Jahren rund ein Drittel der etwa 73.000 Konzernbeschäftigen zumindest in Teilbereichen digital fit gemacht werden. Am Sinn der Sache zweifelt der studierte Bauingenieur keine Sekunde: „BIM bringt Transparenz, das ist ein Wert, weil man Fehler erkennt und sie abstellen kann, bevor sie Kosten verursachen“, ist er überzeugt. Bis es soweit ist, gilt es aber Kosten zu schlucken, für Hardware und qualifiziertes Personal, um die steigende Zahl von BIM-Projekten zu bewältigen. Und davor haben viele Akteure Angst und warten ab, was einerseits verständlich, anderseits gefährlich ist.

Theoretisch ist BIM ja ein Wunderwerk, praktisch auch eine dunkle Höhle, besonders dann, wenn die integrative und kooperative Arbeitsmethode ohne das erste Herantasten angegangen wird. Planer und Ausführende sollten aufpassen, um nicht den Einstieg in diese Arbeitsmethodik zu verpassen, warnt etwa Michael Deubler, Mitgesellschafter der Planungsgruppe M+M AG. Das TGA-Büro beschäftigt rund 300 Mitarbeiter und hat bereits erste BIM-Projekte hinter sich. Sein Zwischenresümee: Im Moment werde BIM noch recht unterschiedlich interpretiert, weshalb es wichtig sei, am Beginn eines Projektes die individuellen Informationsanforderungen des Auftraggebers zu definieren, so Deubler auf dem Viega-Planer-Symposium im Dezember 2016. Es gilt also Verträge zu machen. Und die reichen in manchen Fällen schon sehr weit. Die deutsche Max-Planck-Gesellschaft etwa stellt bei ihren Bauvorhaben schon geraume Zeit hohe Anforderungen an die übergebenen CAFM-Daten. Erst wenn CAFM-gerechte Revisionsunterlagen geliefert wurden, wird die Schlussrechnung beglichen. Strenge Rechnung, gute Freunde. Details über BIM finden Sie auf den Seiten 14 bis 18.

Nur hier und nicht im Magazin finden sie den Hinweis auf die Auslobung des Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit, der heuer zum 5. Mal über die Bühne geht. Die Einreichung ist bereits möglich – alle Infos dazu finden sie unter www.klimaaktiv.at/staatspreis.     

Franz Artner
f.artner(at)a3verlag.com