Mag. Franz Artner, Chefredakteur
Editorial, Ausgabe 9/2017


Ein Stamperl Klimaschutz

Der Umweltminister sorgt sich rührig um die Steuervorteile für kleine Schnapsbrennereien. Gut so, ein Stamperl hebt schließlich die Stimmung, die immer wieder durch Widrigkeiten des Alltags getrübt wird. Der aktuelle Klimaschutzbericht des Umweltbundesamts ist so ein Stimmungskiller. Der Bericht zeigt, dass die CO2-Emissionen von 2014 auf 2015 um 3,2 Prozent gestiegen sind. Die Ursachen: erhöhte Stromproduktion in kalorischen Kraftwerken, Mehrverbrauch bei Diesel und Benzin und bei Erdgas und Heizöl für Gebäude, so das Amt. Bleiben wir auf diesem Pfad, so werden die für 2030 und 2050 gesteckten Ziele nicht erreicht. Ein paar Hundert geförderte Elektrofahrzeuge werden daran genauso wenig ändern wie tausend Pelletskessel oder Dreischeiben-Gläser im Neubau.

Wollte man die Emissionen tatsächlich reduzieren, müssten radikale Maßnahmen getroffen werden. Dafür sind wir aber nicht gerüstet. Man kann nicht den Treibstoffpreis fett erhöhen, wenn zugleich das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln fehlt. Es wird auch unmöglich sein Bestandsgebäude thermisch zu optimieren, wenn nicht irgendwer die Rechnung dafür begleicht. Für höhere Mieten bräuchte es eine Reduktion anderer Belastungen. Das fällt schwer, weil uns die neun Landtage, das Dutzend Sozialversicherungen und andere ehrwürdige Institutionen ebenso ans Herz gewachsen sind wie die dazugehörigen Abgeordneten, Präsidenten und Geschäftsführer.

Wie man die Sache dreht und wendet, gelangt man sehr rasch an die Reformstarre, die das Land seit Jahrzehnten prägt. Das ist eine Seite der Medaille. Die andere haben wir selbst in der Hand. Solange der 1. Schultag für Tausende Großstadtkinder im SUV beginnt, brauchen weder Eltern noch Kinder über die Erderwärmung jammern. Kurzum, niemand hindert uns daran, die eigenen CO2-Emissionen zu reduzieren. Aber ehrlich, im Grunde ist das Gegenteil der Fall. Die Wohnfläche pro Person steigt, die Kurzurlaube mit dem Flieger nehmen zu und wir automatisieren uns rundherum.

Überall wo Dinge sich quasi von selbst erledigen, steckt jedoch Energie dahinter. So schick, bequem und nützlich die Digitalisierung auch sein mag, am Ende stehen irgendwo Server in Rechenzentren, die große Strommengen verbrauchen. Die würden übrigens auch dann fällig, wenn ganz Europa auf E-Autos umsteigt. So lange Strom teilweise noch aus Kohle, Öl und Gas erzeugt wird, ist die Elektrifizierung nicht unbedingt ein Beitrag zum Klimaschutz.        


Franz Artner
f.artner(at)a3verlag.com

PS: In der letzten Ausgabe ist ein Fehler passiert. Auf Seite 70 war ein Bild von einer Entrauchungsklappe, die im Text darunter zu einer Brandschutzklappe mutiert ist. Sorry.