Mag. Franz Artner, Chefredakteur
Editorial, Ausgabe 6/2017


Anergie und IoT

Das Wiener Viertel Zwei ist Anergie-vernetzt und nahe Hannover wird die Gebäudeautomation der Zukunft gelebt.

Wien hat sein erstes größeres Anergienetz. Es versorgt die Neubauten des Viertel Zwei Plus – wo auf insgesamt rund 40.000 m2 Wohnungen und Büros entstehen. Gebaut wird hart an der Kante zur Trabrennbahn Krieau, die dadurch wirkt, als wäre sie der Zubringer zu den Häusern. Als Lieferant von Warmwasser und Raumwärme agiert die Kraftwerk Krieau GmbH, ein Tochterunternehmen des Projektentwicklers IC. Das Konzept beruht neben fossiler Energie auf Geothermie, Photovoltaik, Abwassernutzung und Abwärme von Gebäuden. All das klingt sehr fortschrittlich, wird aber vom Bauherrn im Detail nicht ausgeführt. Es wäre zu früh über das Versorgungsnetz zu sprechen, meint der Chef der Kraftwerk Krieau GmbH. Auch die involvierten Konsulenten sind verpflichtet, nicht über den sogenannten „grünen Energieverbund“ zu sprechen. a3 hat trotzdem eine Annäherung versucht. Fix sind 165 Tiefenbohrungen und komplexe Rahmenbedingungen. Speziell beim PV-Strom gibt es Fragen, die die Politik bislang nicht gelöst hat.

Wie ein Verbund aus verschiedenen Energiequellen aussehen kann, das zeigt die Firma Phoenix Contact an ihrem Standort Bad Pyrmont nahe Hannover. Dort wurde im Mai das Gebäude 4, ein Bau mit 18.000 m2 Fläche, in Betrieb genommen. Der Neubau ist Teil eines Ensembles, das in Summe rund 100.000 m2 Fläche umfasst. Um das Haus 4 mit Raumwärme und Kälte zu versorgen, wurden keine neuen Heiz- und Kühlkapazitäten eingebaut – die Energie kommt aus dem Bestand. Phoenix betreibt ein Gas-Blockheizkraftwerk, verfügt über eine 160 kw-peak PV-Anlage, eine Absorber-Kältemaschine, zwei 15.000 Liter Kurzzeit-Pufferspeicher und das 450.000 Liter fassende Sprinklerbecken dient als Kältespeicher. Im Betrieb wird permanent entschieden, aus welchen Quellen Strom, Wärme, Kälte geliefert wird. Das Unternehmen bezieht jetzt viel mehr Gas als früher, dafür aber sehr wenig Strom und hat damit seine Energiekosten reduziert. So hat sich das BHKW nach drei Jahren amortisiert. Und weil man wissen will, wie die Stromspeicherung sich ins System einfügt, läuft auch ein 10 kW-Speicher samt Ladesäulen, wo Mitarbeiter gratis tanken können.

All diese Techniken sind dann effizient, wenn ihre Wirkungsgrade optimiert sind. Und das geht nur mit Daten. Und das ist der Grund, warum das Haus 4 noch spannender ist. Es ist die erste große Referenz für die IoT-basierende Gebäudeautomation von Phoenix Contact. Man wolle als Brückenbauer die Digitalisierung in Gebäuden vo­ranbringen. „Alles was IT spricht, wird integriert“, so der verantwortliche Manager. Die Konsequenz: IoT-fähige Geräte und Maschinen, die einfach integrierbar sind, bekamen den Vorzug. Spannende Zeiten.      


Franz Artner
f.artner(at)a3verlag.com