Mag. Franz Artner, Chefredakteur
Editorial, Ausgabe 10/2017


Gut, frech und schlecht

Gut ist, dass es am 1. September beim Sanitär-Großhändler Holter in Wels einen Empfang gab. Begrüßt wurden zwölf junge Damen und Herren zum Start ihrer Berufsausbildung. Sie werden Betriebslogistiker, IT-Informatiker oder Großhandelskauffrau. Erstmals wird auch ein Lehrling zum Konstrukteur für Installations- und Gebäudetechnik ausgebildet. Letzterer wird dazu befähigt, mit CAD-Programmen Konstruktions- und Installationspläne vor allem für Heizungs-, Lüftungs-, Gas- und Wasserinstallationen zu erstellen. Der Empfang ist ein Zeichen, dass man den Wert von Facharbeit und Handwerk erkannt hat.

Gut ist auch, dass die Stadt Wien nach reichlich Vorbereitungsarbeit nun beginnt, einen Teil ihrer Straßenbeleuchtung auf LED umzustellen. Weniger gut ist, dass die Kosten dafür im Dunklen bleiben. Transparenz würde Vertrauen schaffen – ein Gut, das ohnehin immer rarer wird.

Gut ist weiters, dass nach einigen Vorbereitungen nun die ersten mittelgroßen Stromspeicherprojekte angelaufen sind. Wenn die aus PV-Anlagen gewonnene Energie gebunkert wird, steigt der Versorgungsgrad. Das werden wir noch brauchen, wenn die E-Mobilität in jenem Tempo fortschreitet wie die PR dafür. Derzeit sind die E-Autos Abschreibposten in Firmen oder fahrbare Accessoires für grüne Witwen, was die Republik auch noch fördert.

Unentschieden ist, ob die von der Frauenthal-Gruppe als Aquatherm-Alternative in Ausarbeitung befindliche Expo in Brunn am Gebirge ein einmaliger Knaller wird oder ein längerfristiges Informationsforum. Es scheint derzeit so zu sein, dass eine Reihe von Herstellern dem neuen Format etwas abgewinnen kann. Warum die Industrie ihre Innovationen mitten im Winter lieber in einem Zelt ausstellt statt in wohltemperierten Messehallen, lässt sich wohl nur mit dem Klimawandel erklären – nicht mit dem globalen.

Frech ist, dass der Begriff leistbares Wohnen dauernd missbraucht wird. Das kostengünstige Wohnen wird in Ansprachen gelobt und zelebriert. Selbst bei Spatenstichen für Vorsorgewohnungen, die zum Wohl von Investoren gebaut werden, schleicht der Begriff sich ein. Nur bei denen, die leistbaren Wohnraum wirklich bräuchten, ist er zu wenig vorhanden.

Schlecht ist, dass das Krankenhaus Nord nach jüngsten Berechnungen statt der ursprünglich veranschlagten 825 Mio. Euro zumindest 1,3 Milliarden Euro kosten wird. Einem Bericht der „Presse“ zufolge könnten es sogar 1,5 Mrd. werden. Im Wiener Gesundheitsressort geht man davon aus, dass man 200 Mio. Euro an Regress zurückfordern wird können. Das beruhigt.         


Franz Artner
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