Mag. Sabine Müller-Hofstetter, Chefredakteurin
Editorial, Ausgabe 1-2/2017

Darf’s ein bisserl weniger sein?

Unermüdlich wird an den Schrauben zur Bekämpfung von Sozialdumping gedreht: Arbeitnehmer müssen nicht bis drei Tage nach sondern bereits vor Arbeitsbeginn angemeldet werden. Für per Bescheid festgestellte schwarze Schafe gibt es seit letztem Jahr die „Liste der Scheinunternehmen“. Nun will man die Bauherren in die Pflicht nehmen.

Seit Ökonom Friedrich Schneider regelmäßig vorrechnet, dass unserer Staatskasse alljährlich 2,5 Milliarden Euro durch Schwarzarbeit entgehen und anprangert, dass in Österreich selbige landläufig als Kavaliersdelikt betrachtet wird, will man sich nicht länger den Vorwurf gefallen lassen, es fehle der politische Wille, gegen Pfusch vorzugehen.

Gut so. Nur: Jede Maßnahme erzielt halt nur insofern die entsprechende Wirkung, wenn Abweichungen vom gewünschten Weg auch tatsächlich geahndet werden beziehungsweise überhaupt zu ahnden sind. Konkret geht es um die seit Jahresbeginn erweiterte Auftraggeberhaftung, auch „Bauherrenhaftung“ genannt. Sie bedeutet, dass auch der Auftraggeber, sprich auch private Bauherr, dafür haftet, dass das nach österreichischen Vorschriften festgesetzte Mindestentgelt und die Abgaben für grenzüberschreitend entsandte Arbeitnehmer bezahlt werden.

Klingt gut, könnte abschreckend wirken. Aber: Für den privaten Bauherrn muss allerdings offensichtlich sein, dass die vereinbarte Leistung nur durch Unterentlohnung erbracht werden kann. Wer einmal Anbote verschiedener Handwerker verglichen hat, kennt das Gefühl, Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Und es ist wohl kaum anzunehmen, dass der Auftragnehmer auf Nachfrage seinen günstigen Preis damit erklärt: „Wissen Sie, ich zahle meinen Mitarbeitern halt weniger als ich müsste …“

In diesem Sinne können wir nur hoffen, dass jede einzelne Maßnahmen gemäß dem Motto „Steter Tropfen höhlt den Stein“ ein wenig dazu beiträgt, Sozial- und Lohndumping in der Bauwirtschaft tatsächlich einzudämmen und nicht nur die Flut an Vorschriften zu vergrößern. 

Sabine Müller-Hofstetter
s.mueller(at)a3verlag.com

P.S. Wenige Minuten vor Redaktionsschluss erreichte uns noch das zu unserem Schwerpunktthema „Baumaschinen“ passende Save the date: Die 10. Auflage der Mawev-Show geht vom 14. bis 17. März 2018 in St. Pölten-Wörth (NÖ) über die Bühne.