Birgit Salomon, Chefredakteurin
Editorial, Ausgabe 3-4/2017

Flexibel

Bei den heimischen Firmen, allen voran die vielen Klein- und Mittelbetriebe, ist es längst gängige Praxis: Wenn viele Aufträge erledigt werden müssen oder ein Projekt abgeschlossen werden muss, arbeiten die Mitarbeiter erforderlicherweise länger als zehn Stunden durch. Damit verstoßen sie – genauer gesagt die Geschäftsleitung des Betriebes – gegen das heimische Arbeitszeitgesetz, das eine strikte Zehn-Stunden-Grenze pro Arbeitstag vorsieht. Auch wenn Mitarbeiter aus freien Stücken länger arbeiten wollen, um etwa ein Zeitguthaben für ein verlängertes Wochenende aufzubauen oder geblockte Familienfreizeit genießen wollen, ist das per Gesetz nicht erlaubt. Die bislang typisch österreichische Lösung.

Die Zeiten werden vielfach nicht korrekt aufgezeichnet, nur damit die zugelassene Höchstarbeitszeit nicht überschritten wird. Am Papier wird so „flexibel“ am Gesetz vorbeigearbeitet. Arbeitgeber bewegen sich allerdings damit auf dünnem Eis. Die Überprüfungsmaßnahmen sowie die Strafen sind recht scharf.

Zudem ist die Firmenleitung angreifbarer geworden. Eine Situation, die der heimischen Wirtschaft wie auch vielen Arbeitnehmern seit Jahren ein Dorn im Auge ist. Für die moderne Arbeitswelt von heute ist das geltende Gesetz schlicht veraltet. Vor allem im Dienstleistungssektor lassen sich Ideen, Kreativität oder Verhandlungen nicht in ein Korsett zwischen 9 und 17 Uhr pressen. Es geht nicht darum, dass Mit­arbeiter bis zur Erschöpfung ohne Freizeit arbeiten sollen, sondern dass die Arbeit flexibel und nach den jeweiligen Bedürfnissen und Wünschen erledigt werden kann. Der Reformbedarf ist enorm.

Unter den Sozialpartnern ist die Situation ein Dauerstreitthema. Endlich hat auch die Regierung das Thema „flexible Arbeitszeiten“ in ihr Arbeitsprogramm aufgenommen und eine öffentliche Diskussion entfacht. Bis Ende Juni sollen sich die Sozialpartner auf eine Lösung einigen. Wenn nicht, will die Regierung das Thema über ihre Köpfe hinweg überarbeiten. Wie sehen nun die Erwartungen und Realitäten bei den heimischen KMU aus? a3eco hat sich bei einigen Unternehmen umgehört, wie ihrer Meinung nach sinn­volle Arbeitszeitgestaltung aussehen sollte. 

Harmonisches Arbeiten
wünscht die a3 ECO-Redaktion