Birgit Salomon, Chefredakteurin
Editorial, Ausgabe 7/2017


Rückschritt

Die Globalisierung gehört neben der Digitalisierung der Welt zu den Megatrends unserer Zeit. Beide Entwicklungen schaffen Freiheiten und gleichzeitig enorme Abhängigkeit sowie auch Verantwortung. Der Spruch, dass es einen wenig interessiert, wenn in „China ein Sack Reis umgefallen ist“, hat keine Gültigkeit mehr. Wenn heute in China die Konjunktur lahmt, hat das deutliche Folgen für die Weltwirtschaft. Und wenn Menschen durch den IS-Bombenterror bedroht sind, geht es um die Frage der globalen Verantwortung.

Nie zuvor hat die Globalisierung so viel wirtschaftliche und kulturelle Verflechtung bewirkt, nie zuvor entsteht dank Internet und weltumspannender Echtzeitkommunikation ein Gefühl permanenter Betroffenheit – so als ob die Erde ein Dorf wäre und jede Katastrophe vor der eigenen Haustüre stattfinden würde.

In jüngster Zeit häufen sich Stimmen, die ein Ende der Globalisierung heraufbeschwören – auch von sonst eher weltoffenen Regionen –, Stichwort Brexit. Die Globalisierung stoße an ihre Grenzen, so wird argumentiert, da immer neue protektionistische Tendenzen aufkommen. Nicht nur seit der Finanzkrise, sondern gerade jetzt, wo US-Präsident Donald Trump mauert.

Der von Trump befürwortete Protektionismus stellt eine Gefahr für die Weltwirtschaft dar. Seit Jahrzehnten versucht die Mehrheit der Länder, eine regelbasierte, globale Wirtschaftsordnung zu schaffen, in der Waren, Dienstleistungen, Menschen und Ideen sich „grenzenlos“ bewegen können. Und nun propagiert Trump angebliche Vorteile einer abgeschotteten Wirtschaft.

Angesichts des Beharrens Trumps und seiner Anhänger auf der Wichtigkeit der Grenzen könnten sich viele Unternehmen überlegen, wie sie ihre globalen Lieferketten anders organisieren. Die daraus entstehende Unsicherheit wird grenzüberschreitende Investitionen bremsen. Ein geringeres Wirtschaftswachstum ist die Folge, warnen nicht nur Ökonomen.

Dreht sich das Rad bereits zurück? Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass dem noch nicht so ist. Wichtige Aspekte der Globalisierung sind Handel und Investitionen im Ausland. Und hier geht der Trend nach oben. Die österreichischen Warenexporte sind im ersten Quartal des Jahres über zehn Prozent gestiegen. Laut Statistik Austria konnten mit allen großen Weltregionen wieder Zuwächse bei den Ausfuhren verzeichnet werden. Österreichische Unternehmen investieren auch wieder mehr im Ausland, wie Zahlen belegen.

Noch trotzt die Weltwirtschaft den politischen Unsicherheiten und ist laut zahlreicher Analysen „bemerkenswert“ gut ins Jahr 2017 gestartet. Bleiben wir also optimistisch und verfolgen die Devise „die Menschheit muss global verbunden bleiben“.


Grenzüberschreitende Erfolge
wünscht die a3 ECO-Redaktion