Gerald Zemann, Chefredakteur
Editorial, Ausgabe 6/2017


Liebe Leserinnen, liebe Leser!

Ende Mai tagte im Parlament wieder einmal der Tourismusausschuss. Ja, den gibt es wirklich. In ihm sind alle Parlamentsfraktionen vertreten, bis auf ganz wenige Ausnahmen wie Sepp Schellhorn (Neos) oder Gabriel Obernosterer (ÖVP) haben die Mitglieder des Ausschusses keinerlei berufliche Erfahrungen mit dem Tourismus, sind mit dieser Branche eher nicht vertraut. So ist etwa Gerald Hauser (FPÖ), Obmann des Tourismusausschusses, derzeit freigestellter Lehrer für kaufmännische Fächer an der Handelsakademie und Handelsschule Lienz. Lehrer, Gewerkschafter, Bauernbundfunktionäre, Kammermitarbeiter – sie stellen den Großteil des Tourismusausschusses. Eine starke Speer­spitze der Branche in der Politik sieht wohl anders aus.

Über die jüngste Sitzung des Tourismusausschusses gibt es eigentlich nicht viel zu berichten: Sämtliche Anträge der Oppositionsparteien, wie Umsatzsteuersenkung für Nächtigungen oder die Verkürzung der Abschreibungszeiträume, wurden einheitlich mit den Stimmen von SPÖ und ÖVP abgeschmettert beziehungsweise vertagt. Hat man im Gegenzug eine wichtige beziehungsweise bedeutende Änderung oder gar Erleichterung für die Branche beschlossen? Richtig geraten: Nein. Dafür wurde der Branche fast jubelnd mitgeteilt, Minister Harald Mahrer kündigte an, die Mehrwertsteuererhöhung auf Nächtigungen im kommenden Jahr „evaluieren“ zu wollen.

Ja, der Tourismus läuft einerseits recht gut, unter anderem auch, weil etwa Destinationen wie die Türkei oder Ägypten gemieden werden. Im Vorjahr stieg die Anzahl der Gästenächtigungen um 4,2 Prozent. Klingt gut. Die Umsätze stiegen nur um 1,7 Prozent. Kurz gesagt: Die Nächtigungen mussten billiger verkauft werden – und dies trotz einer höheren Steuerbelastung. Was meint Minister Mahrer dazu? Angesichts der Herausforderungen durch die Digitalisierung sowie neuer Geschäftsmodelle, aber auch als Folge des Klimawandels werde sich die Branche in Zukunft aber neu erfinden müssen. Also, liebe Hoteliers und Gastronomen, erfinden Sie sich bitte neu!

Ich darf Ihnen an dieser Stelle wieder im Namen des gesamten a3-Teams einen sonnigen Sommer wünschen, viele Gäste und volle Betten. Und – sofern es Ihre Zeit erlaubt – auch erholsame Ferientage.  


Gerald Zemann
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