Mag. Christian Krebs, Chefredakteur
Editorial, Ausgabe 1-2/2017

Der Media Server. Mit Maulkorb.

Eines muss vorab gesagt werden: Der Media Server, dessen zweiter Teil mit der Intermedia-Datei kürzlich präsentiert wurde, ist eines der größten, wenn nicht das größte und wichtigste Mediaforschungs-Projekt überhaupt, das jemals in Österreich initiiert wurde. Und das Verdienst derjenigen, die sich nun schon seit neun Jahren darum bemühen, aus einer Vision Realität werden zu lassen, kann nicht hoch genug geschätzt werden.

Trotzdem – oder gerade darum – müssen sich das Projekt Media Server und die daran Beteiligten auch kritische Fragen gefallen lassen, die im Vorfeld und auch nach Fertigstellung der ersten Welle entstanden sind.

Zwar verlautete der Verein: „Damit gibt es in Österreich erstmals eine objektive, valide und von allen klassischen Mediengattungen und den Agenturen akzeptierte Planungsgrundlage für strategische Intermedia-Planung.“ Allerdings ist nicht alles, was ex cathedra verkündet wird, auch gelebte Realität – und der Media Server wird den Lackmus-Test der Praxis, seinen tatsächlichen Nutzen im täglichen Media-Business, erst noch bestehen müssen.

Denn Fakt ist: Kaum zwei Wochen nach der Präsentation – unsere Themenstrecke dazu können Sie ab Seite 74 dieser Ausgabe lesen – steckt das Projekt in Schwierigkeiten: Der Austritt eines der bisherigen Hauptträger, des Vereins ÖWA, ist bis dato nur das offensichtlichste Problem.

Ein anderes sind die Vorbehalte, die durch unsere Recherchen offengelegt wurden – und über die keiner offen reden möchte: Wir wurden zwar mit Kritikpunkten und Vorbehalten konfrontiert, aber nur unter der Auflage, keine Namen zu veröffentlichen.

Daran halten wir uns selbstverständlich. Aber darin besteht – drittens – der eigentliche Skandal: Der Verein hat allen Mitgliedern und Nutzern, die ihn und das Projekt etwa öffentlich kritisieren, mit den „Richtlinien der Veröffentlichung“ einen veritablen Maulkorb umgehängt (siehe S. 76). Wörtlich: „Wer durch öffentliche Kritik … dem Media Server Schaden zufügt, kann von der Nutzung des Media Server ausgeschlossen werden.“

Nun ist der Media Server als Verein organisiert: Ein Verein ist keine öffentliche Institution, er wird sozusagen privat finanziert und darf jedem, der Mitglied werden möchte, im Rahmen der durch Gesetze definierten Regeln vorschreiben, was er zu tun oder zu lassen hat.

Der Verein der Bruderschaft zur Fetten Leber z.B. kann seinen Mitgliedern vorschreiben, den Genuss nichtalkoholischer Getränke jeweils auf den Karfreitag von 9 bis 10 Uhr zu beschränken. Das ist zwar äußerst ungesund, aber ganz und gar Privatsache.

Darf aber ein Verein wie der Media Server die Meinungsfreiheit seiner Mitglieder und das Recht zur freien Meinungsäußerung – immerhin eines der grundlegendsten demokratischen Rechte überhaupt – unter Strafandrohung so radikal einschränken

Die Frage beantwortet sich eigentlich von selbst.

Um gleich von vornherein den möglicherweise aufkeimenden Verdacht auszuräumen, uns ginge es hier um billiges Negative Campaigning oder Media Business Bashing: a3 Marketing bzw. der a3 Wirtschaftsverlag sind seit vergangenem Jahr Sponsor des traditionsreichen FMP Forum Mediaplanung, das mit spannenden Diskussionen und seiner FMP Academy seit Jahren für Know-how-Transfer in die Branche sorgt. Dazu wollen wir mit beitragen.

So eine Sponsorschaft ist zwar – besonders in diesen für Print schwierigen Zeiten – für einen kleinen Verlag wie den unsrigen keine Selbstverständlichkeit. Aber Media  ist uns ein echtes Anliegen. Und da werden wir auch dranbleiben.

Christian Krebs
c.krebs(at)a3verlag.com